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Burgen, Schlösser und Ruinen

Burg Kapellendorf

Am Burgpl. 1, 99510 Kapellendorf, Deutschland

Bei den Ausgrabungen 1933 konnten große Teile der ersten steinernen Befestigung aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts erforscht werden. Es handelt sich um eine nahezu kreisrunde Burganlage von 32 Meter Durchmesser, die von einer 1,80 Meter starken Ringmauer und einem Graben umgeben war. Im Nordosten der Anlage sind die Reste des romanischen Wohnbaus erhalten geblieben, der direkt an die Ringmauer angelehnt war. Im Zentrum der Burg wurde der untere Teil eines freistehenden, bis Ende des 18. Jahrhunderts wieder geschleiften, Bergfriedes mit einem Außendurchmesser von zehn Metern freigelegt. Auffällig ist die Verwendung von Buckelquadern, die sonst im thüringisch-sächsischen Raum relativ selten vorkommen. Der Bergfried war wohl im späten 12. oder frühen 13. Jahrhundert errichtet worden, wahrscheinlich erst anschließend an den Bau der Ringmauer und der Randbebauung oder gar mit gewissem zeitlichen Abstand. Die bisher zumeist angegebene Datierung „wohl nicht vor 1120 und nicht später als 1180-1200“ ist nicht zwingend und erscheint zu früh. Die Wasserversorgung war durch einen bis in eine Tiefe von 10,80 Meter untersuchten Burgbrunnen und eine Zisterne gewährleistet. Die vier Meter tiefe Filterzisterne nahm vermutlich das Regenwasser auf, das von dem Palasdach herabfloss. Durch die Anlage einer etwa fünfeckigen Vorburg wurde die Burg wesentlich erweitert, sie umfasste nun eine Fläche von 2,25 Hektar. Sie ist von einem bis zu 30 Meter breiten Wassergraben umgeben, dem ursprünglich noch ein Wall vorgelagert war, so dass der Gesamtdurchmesser der Burganlage etwa 180 Meter betrug. Auf der Nordseite ist diese Vorbefestigung bis heute gut erhalten, im Osten und Südosten deuten nur noch kleinere Reste ihren ehemaligen Verlauf an. An den Hauptangriffsseiten im Süden und Osten wurden an der neuen Ringmauer zwei hohe und geschlossene Flankierungstürme mit Schlitzscharten errichtet, die drei anderen Ecken lediglich mit Schalentürmen besetzt. Der ursprüngliche Zugang zur Vorburg lag im Süden, noch heute ist das gotische Portal im Mauerwerk deutlich zu erkennen. An die neue Ringmauer sind mehrere Wohn- und Wirtschaftsgebäude angebaut, die in ihrer Form jedoch meist erst jüngeren Zeiten entstammen. In der Burg lagerte die Stadt Erfurt größere Mengen an Waffen, Rüst- und Kriegsmaterial sowie Lebensmittel ein, die in einem Inventar aus dem Jahr 1392 detailliert aufgelistet werden. 1446 vertrauten die Erfurter den Schutz ihrer Kaufleute in der Umgebung von Kapellendorf dem Ritter Apel Vitzthum von Roßla an und übergaben diesem Burg und Amt wiederkäuflich auf 21 Jahre. Im Austausch gegen die Wachsenburg kam Kapellendorf 1452 wieder in den Besitz der Stadt Erfurt. Aufgrund drückender finanzieller Nöte musste der Rat der Stadt Kapellendorf 1508 an Kurfürst Friedrich den Weisen und Herzog Johann von Sachsen verpfänden, was Anlass zu einem Aufstand – das sogenannte Tolle Jahr der Erfurter Bürger gegen ihren Rat gab. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erfolgte die Verlagerung des Tores an den Turm im Südwesten und der Bau einer steinernen Brücke über den Wassergraben. In den folgenden Jahrhunderten erlebte das Schloss mehrere Teilzerstörungen durch Brände wie 1599 oder Unwetter 1613, aber auch Phasen des erneuten Aufbaus wie nach der Einrichtung eines Justiz- und Rentamtes 1684. Der Buckelquaderturm, der auf einer Federzeichnung von 1657 noch in einer ansehnlichen Höhe erhalten ist, wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und im 18. Jahrhundert bis auf den Reststumpf abgebrochen und die Steine zusammen mit anderem Abbruchmaterial nach Weimar gebracht, um dort verbaut zu werden. 



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